Tag der Menschenrechte

Wenn wir uns alle Menschen als einen Körper vorstellen, ist “der Menschenrechte”, die die natürliche Folge der Existenz sind. Die Gefäße des Köpers ist dann “die Gerechtigkeit für alle.” Zehntausende Menschen auf der Welt sind täglich gezwungen, ihre Heimat für ein gerechtes Leben zu verlassen, weil sie in ihren Heimat das Gefühl haben, dass es aufgrund der humanitären Krise keine andere Wahl gibt. Diese Reise für den Flüchtlingsstatus enthält alle Arten von Geschichten, über die es sich zu lesen, zu verstehen und nachzudenken lohnt. Mit diesem Brief wurde nur ein kleiner Teil unserer Geschichten für diesen Zweck geschrieben.

In den letzten Tagen des Septembers 2019 sah die Welt erschütternde und unvergessliche Bilder von der griechischen Insel Chios.

Das erste war das eines verlassenen Grabes am Gipfel eines Hügels mit Blick zum Meer. Neben dem Grab der zwei Kinder standen vor Trauer am Boden zerstörte Eltern. Auf der Erde lagen Holzstücke und eine Schaufel…

Auf dem zweiten Bild sah man einen Vater, der vor kleinen weißen Gräbern ein Gebet verrichtete.

Auf einem weiteren Bild fand eine Beerdigungszeremonie statt. Vor den kleinen weißen Särgen stand ein Friedhofswärter und zwei griechische Bürger wohnten der Zeremonie bei.

Das waren die letzten Bilder einer 18-köpfigen Gruppe, denen das Recht auf Leben in Ihrem Heimatland verwehrt wurde und der letzte Ausweg in der Flucht in ein anderes Land bestand.

Die Gruppe setzte sich aus Eltern und Kindern zusammen, die in der Türkei einer willkürlichen Justiz ausgesetzt waren und somit keine Chance auf faire Gerichtsprozesse hatten. Hinzu kommen Menschen, die per Notverordnung ihren Job verloren hatten bzw. deren Reisepässe beschlagnahmt worden sind.

In der Nacht des 27. Septembers flüchteten sie mit einem Schlauchboot nach Griechenland. Nach einem plötzlichen Wendemanevör des Schleppers kenterte jedoch das Boot gegen 00.30h, das von einem Grenzgänger gesteuert wurde. Zwölf der Insassen, einschließlich der Kapitän, konnten sich das Leben das Boot.​

Um 6 Uhr morgens klingelte es an unserer Tür. Meine Frau, die bereits im sechsten Monat schwanger war, wurde aus ihrem Schlaf geweckt und sagte: „ Sie sind gekommen!“ Ich versuchte, sie zu beruhigen. Anschließend schaute ich vorsichtig aus dem Türspion. Vor der Wohnungstür standen unser Nachbar und 3 Fremde Männer. 

Sobald ich die Tür geöffnet hatte, fesselte man mir die Hände.

Sie durchsuchten stundenlang die Wohnung. Es wurden 2 Kreditkarten, 2 Korane, ein Laptop und unsere Handys beschlagnahmt. Sie nahmen einige Gegenstände von meinem Cousin und das Geld für unsere nächste Mietzahlung in Beschlagnahm.  

 

Danach brachte man mich zur Polizeistation. Ich war der erste in Gewahrsam. Nach und nach wurde 8 weitere meiner Arbeitskollegen in Gewahrsam genommen. 

In den nächsten Tagen wurden wir alle nach einander “verhört”. Die Wärter setzten ein breites Spektrum an Foltermethoden ein, wie z.B. Schläge, Fingernägel ziehen, Elektroschocks mit einer Autobatterie…  Wir durften keinen Anwalt kontaktieren, nicht auf die Toilette gehen und bekamen auch nichts zu essen. 

 

Am vierten Tag wurden wir vor dem Richter gestellt. Sowohl der Richter, als auch der Staatsanwalt konnten sehen, was man uns angetan hatte. Keiner hat gefragt, was mit uns passiert sei.  Am Ende wurden wir alle festgenommen. Wir wurden im Gefängnis in die Zelle gebracht. Aber das war erst der Anfang.  

Ich bin ein Unternehmer und lebe seit 15 Jahren in Kiel. Kurze Zeit nach dem Putschversuch wollte ich meine kranke Mutter in der Türkei besuchen. Ich wurde bei der Ankunft am Flughafen von der Polizei festgenommen. Gegen mich wurde ein Ermittlungsverfahren aufgrund einer Mitgliedschaft und der Unterstützung einer Terrororganisation eingeleitet. Außerdem erfuhr ich, dass auch gegen meine Ehefrau und meine Tochter Ermittlungen eingeleitet wurden.

Der Staatsanwalt erklärte mir, dass ein Bekannter in Deutschland mich angezeigt hatte. Laut Aussage dieser Person habe ich über mein Facebook-Konto Mitteilungen geteilt, die den Putschversuch unterstützen würden. Der Staatsanwalt bestätigte, dass außer der Anzeige meines Bekannten keine Beweise gegen mich und meine Familie bestehen würden.

Nach meiner Aussage wurde ich freigelassen. Mir wurde jedoch die Ausreise aus der Türkei verboten. Nach einer Zeit wurden die Ermittlungen gegen mich eingestellt.  

Als ich am Flughafen ankam, um wieder nach Deutschland zurückzukehren, wurde mein Reisepass beschlagnahmt. Obwohl keine Ermittlungen mehr gegen mich geführt wurden, wollte mir keiner der Verantwortlichen die Ursache dafür erklären. Mir wurde auch keine Auskunft erteilt, an wen ich mich wenden  müsste. Nach zwei Monaten und unzähligen Anträgen bei verschiedenen Behörden gab man mir meinen Reisepass wieder zurück. Ich brauchte somit insgesamt viereinhalb Monate, um wieder nach Deutschland zurückkehren zu dürfen.   

Nach dem 15. Juli war alles anders und sehr schwere Tage hatten für uns begonnen. Unsere Bekannten hielten sich von uns fern und hatten Angst mit uns zu reden. Als wir dann eines Tages an unserem Scheibenwischer unseres Autos einen Drohbrief fanden, wurde uns klar, dass wir hier nicht mehr bleiben konnten und sind von Konya nach Istanbul zu meiner Familie gezogen. Zu diesem Zeitpunkt war ich im siebten Monat schwanger und meine Schwangerschaft verlief sehr schwer und stressig. 

Wir wussten, dass es für mich ein Haftbefehl vorlag. Am Abend des zehnten Oktobers musste ich aufgrund der Geburt ins Krankenhaus und am nächsten Morgen kam mein Sohn auf die Welt. Am 11. Oktober hatten wir am Abend das Krankenhaus verlassen. Am nächsten Morgen, den 12. Oktober stand die Polizei vor unserer Haustür und ich wurde direkt festgenommen. Es wurde mir nicht mal gestattet, mich umzuziehen geschweige denn mein Neugeborenes Baby zu stillen. Ich wurde trotz meiner Narben aus der Geburt und meinem erst ein Tag altem Baby, stundenlang auf der Wache gehalten. Später kam ein Beamter in den Raum und forderte mich auf, einen Zettel zu unterschreiben. Als ich darum gebetet habe, den Zettel durchlesen zu wollen, wurde ich seitens des Beamten beleidigt und mir wurde aufgezwungen den Zettel zu unterschreiben. Danach wurde ich zum Amtsgericht gebracht, um dem Richter vorgeführt zu werden. 

Der Staatsanwalt in Konya gestattete mir nicht das Recht der SEGBIS, wodurch ich von der Pflicht der Anwesenheit am Gericht befreit werden würde und musste die Fahrt von 600 km nach Konya antreten. Währenddessen hatte mein Sohn hohes Fieber, aber dem wurde kein offenes Gehör geschenkt. Am nächsten Tag wurde mein Sohn zur Kontrolle ins Krankenhaus gebracht, wo die Ärzte eine Infektion und eine Gelbsucht feststellten. Auf die Frage der Polizisten, ob das Kind die Reise antreten dürfte, lehnte der Arzt dies strikt ab und verwies das Baby in die Uniklinik.